Netanyahu bei der Grundsteinlegung für die Siedlung Ofir
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Netanyahu-Statement falsch übersetzt Israel will keine Siedlung im Gazastreifen bauen

Stand: 30.11.2023 17:45 Uhr

Die israelische Regierung plane eine jüdische Siedlung im Gazastreifen und mache eine Zwei-Staaten-Lösung dadurch unmöglich, so wird es in sozialen Netzwerken behauptet. Die Fehlinformation beruht auf einer falschen Übersetzung.

"Netanyahu legt Grundstein für israelische Siedlung in Gaza, was erneut internationales Recht verletzt." "Erst alle Warnhinweise ignorieren, dann die eigenen Leute abknallen, anschließend Gaza platt machen und heute schon deine neue Siedlung gründen." "Der Schlächter von Gaza beim Stehlen von Land." Solche Behauptungen werden aktuell auf sozialen Netzwerken verbreitet.

Der Anlass: Ein Post des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu auf dem Kurznachrichtendienst X auf Hebräisch.

Leser schlossen daraus, dass Israel den durch den Hamas-Angriff vom 7. Oktober ausgelösten Krieg ausnutze, um eine Siedlung im Gazastreifen zu gründen.

Google übersetzt falsch

Nutzt man die von Google bereitgestellte automatische Übersetzungsfunktion von X, so erhält man den folgenden Text:

"Heute Abend wird im Gazastreifen der Grundstein für die Siedlung 'Ofir' gelegt, benannt nach dem ehemaligen Vorsitzenden des Negev-Tor-Rats, dem verstorbenen Ofir Liebstein, der von der Hamas ermordet wurde. (...)"

Dies ist jedoch nicht korrekt: Die von Netanyahu benutzte Bezeichnung beschreibt nicht die politische Einheit des Gazastreifens, sondern die gesamte Region, somit auch israelische Gebiete, die an der Grenze des Gazastreifens liegen. Auf israelischer Seite befindet sich auch die nun neu gegründete Siedlung "Ofir". Es handelt sich also nicht um eine israelische Siedlung auf palästinensischem Gebiet.

Die neue Siedlung in der Negev-Wüste wurde nach Ofir Liebstein benannt, dem ehemaligen Vorsitzenden des Regionalrats der Region, der während des Hamas-Angriffs am 7. Oktober ermordet wurde.

Karte mit Israel, Gazastreifen, Siedlung Ofir

Seit 2005 keine jüdischen Siedlungen mehr im Gazastreifen

Mehrere Jahrzehnte lang, seit der Eroberung im Sechs-Tage-Krieg 1967, stand der Gazastreifen unter israelischer Besatzung. Im September 2005 wurde die politische Kontrolle von der israelischen Regierung an die palästinensische Autonomiebehörde übergeben.

Israel zog sich danach komplett aus dem Gazastreifen zurück, israelische Siedlungen gibt es dort seitdem keine mehr. Seit 2007 herrscht dort die radikalislamische Terrororganisation Hamas.

Anders verhält es sich im Westjordanland. Dort leben mehrere Hunderttausend israelische Siedler in rund 250 Siedlungen. Zuletzt legalisierte die israelische Regierung im Sommer dieses Jahres neun israelische Außenposten im Westjordanland. Dort sollen Tausende neue Wohneinheiten gebaut werden.

International löste die Maßnahme Kritik aus - unter anderem auch, da sie einer möglichen Zwei-Staaten-Lösung zuwiderläuft: Dadurch würden Fakten geschaffen, die es erschweren den Palästinensern einen autonomen Staat im Gazastreifen und im Westjordanland zuzusprechen.