Kommentar

Mitarbeiter von BorgWarner und Robert-Bosch-Thüringen-Energie beteiligen sich in Arnstadt (Thüringen) am Warnstreik der IG Metall | Bildquelle: dpa

IG-Metall-Forderung Im Geist der Zeit - aber zu kurzsichtig

Stand: 08.01.2018 16:36 Uhr

Mehr zeitliche Flexibilität - das fordert die IG Metall neben mehr Lohn im aktuellen Tarifstreit. Damit kommt sie sicherlich vielen Arbeitnehmern entgegen. Auf lange Sicht verstärkt dieses Modell aber die Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt.

Ein Kommentar von Verena Gonsch, NDR

"Mehr Zeit zum Leben, Lieben, Lachen" fordert die IG Metall. Die Arbeitgeber kontern: "Keine Minute unter 40 Stunden". Achtung: Auch wenn diese Slogans nach 2018 klingen, sie sind 33 Jahre alt. 1984 streikten die Metaller für die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Nach wochenlangen Tarifauseinandersetzungen hieß der Kompromiss: die Abkehr von den 40 Stunden, der Einstieg in die 38,5-Stunden-Woche.

Mit der Wiederauflage, diesmal unter dem Schlagwort "Miteinander für morgen", will die IG Metall an diese Erfolge anknüpfen. Der Zeitpunkt ist gut gewählt: Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, die Wirtschaft brummt, der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Die Forderung nach einer Lohnerhöhung von sechs Prozent scheint nicht überzogen.

Die Kröte, die die Arbeitgeber diesmal schlucken sollen, ist die Forderung nach einer "Work-Life-Balance" der Arbeitnehmer. Mitarbeiter sollen bis zu zwei Jahre auf 28 Stunden gehen können, um anschließend auf ihren alten Arbeitsplatz zurückzukehren. Und was für die Chefs bisher nicht verhandelbar ist: In der Zeit sollen Mitarbeiter, die sich um kleine Kinder oder pflegebedürftige Eltern kümmern, einen Lohnausgleich für weniger Gehalt bekommen.

Gerhard Bosch, Arbeits- und Wirtschaftssoziologe, zu künftigen Arbeitszeiten
tagesschau24 15:00 Uhr, 08.01.2018

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Augenmerk auf die Jungen

Wie schon 1984 wird die IG-Metall auch jetzt sicher nicht damit rechnen können, dass sie das alles in vollem Umfang durchsetzen kann. Auf Sympathie wird sie damit aber vor allem bei der sogenannten Generation Y stoßen. Damit ist die erste Generation der "Digital Natives" gemeint, die jetzt zwischen 20 und 35 Jahren alt sind und als Berufseinsteiger die Personalleiter mit ihren Forderungen nach Home Office und flexibleren Arbeitszeiten herausfordern. 

Für diese Altersgruppe will die Gewerkschaft attraktiv werden, denn genau diese läuft ihnen derzeit weg. Die Berufsanfänger versprechen sich nichts von einer Mitgliedschaft und sind von dem für sie oft "altbackenem" und hierarchischen Auftreten der Gewerkschafsfunktionäre eher abgeschreckt. Die Zeit ist also reif für diesen Vorstoß.

Und die Forderung nach mehr zeitlicher Flexibilität würde sicherlich auch ein Teil der 40- bis 60-Jährigen unterschreiben. Umfragen zeigen - Familien sehen sich vielfach unter Vereinbarungsdruck: In vielen Fällen sind beide Eltern berufstätig, die Kinder in Kitas und Schulen, oft kommen noch pflegebedürftige Angehörige dazu. Das alles zu vereinbaren, ist oft ein täglicher Balanceakt.

Profiteure und Benachteiligte

Als gesellschaftliches Signal ist das Motto also sicherlich gut gesetzt. Und - diese Branche kann sich solche Zugeständnisse auch leisten. Ganz anders sieht es aus, wenn man das Modell weiter denkt. Dann verstärkt es nämlich die Zwei-Klassen-Gesellschaft, die es im Arbeitsmarkt jetzt schon gibt. Auf der einen Seite die festangestellten Mitarbeiter, deren Privilegien von Personal- und Betriebsräten sowie Gewerkschaften geschützt werden. Auf der anderen Seite der immer größere Kreis derer, die in sogenannten prekären Arbeitsverhältnissen arbeiten - in befristeten Jobs, auf Abruf, mit der Pflicht zu schlecht bezahlten Überstunden. Von "Work Life Balance" können diese Arbeitnehmer nur träumen.

In der Metallbranche muss man da nicht lange suchen: das sind die Mitarbeiter der Zulieferbranche. Und die werden dann zu deutlich schlechteren Konditionen aushelfen müssen, wenn der Metall-Arbeitnehmer seine Arbeitszeit zeitweise auf 28 Stunden reduziert. 

Der Vorstoß der IG Metall schafft also Aufmerksamkeit für ganz wichtige Bedürfnisse der Arbeitnehmer. Aber: Der Slogan "Miteinander für morgen" hat mit gesamtgesellschaftlicher Solidarität nichts zu tun.

Kommentar: Mehr Zeit für Familie - IG-Metall fordert mehr Miteinander
Verena Gonsch, NDR
08.01.2018 15:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Januar 2018 um 15:00 Uhr.

Korrespondentin

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Verena Gonsch, NDR

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