Richard Grenell | Bildquelle: AFP

US-Botschafter in Berlin Grenell will Handelskrieg verhindern

Stand: 11.06.2018 07:43 Uhr

Der neue US-Botschafter in Deutschland war zuletzt wegen umstrittener Aussagen heftig kritisiert worden. Nun bedauert er seine Äußerungen und kündigte an, sich für eine Beilegung des Handelsstreits einzusetzen.

Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat sich zuversichtlich gezeigt, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und Europa beigelegt werden kann. "Alle wissen, wie viel auf dem Spiel steht", sagte Grenell dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Beide Seiten seien daran interessiert, weitere Konflikte zu vermeiden.

Allerdings ist Grenell auch davon überzeugt, dass der Handelsstreit noch einige Zeit andauere. "Ich glaube, wir werden noch weitere Manöver beider Seiten sehen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir den Streit beilegen." Die Verhandlungen zwischen über 20 Ländern erforderten mehr Koordination als bilaterale Beziehungen. "Ich setze mich dafür ein, den Handelskonflikt zu lösen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen."

Deutsche und US-Automobilindustrie sind verflochten

Mit Blick auf mögliche US-Strafzölle auf Autoimporte, die US-Präsident Donald Trump derzeit prüfen lässt und die die deutsche Automobilindustrie besonders treffen würden, sagte Grenell: "Ich bin ein großer Autofan und weiß um die Bedeutung dieser Industrie." Er betonte die Verflechtung der deutschen und der US-Industrie in diesem Bereich. "Wenn Sie zum Beispiel einen BMW X3 in Deutschland kaufen, müssen Sie ihn aus den USA importieren, da er nur in Spartanburg in South Carolina hergestellt wird", sagte der Diplomat.

US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende nach seiner vorzeitigen Abreise vom G7-Gipfel in Kanada erneut mit Strafzöllen auf die Einfuhr von Autos gedroht. Zuvor hatte er bereits zusätzliche Zölle auf Stahl und Aluminium verhängt.

Grenell bedauert "Breitbart"-Aussagen

Entgegen früherer Aussagen will sich Grenell doch nicht dafür einsetzen, dass konservative Kräfte in Europa gestärkt werden. "Um es klarzustellen: Ich habe nicht die Absicht, mich in politische Angelegenheiten aktiv einzumischen." Grenell hatte in einem Interview mit dem ultrarechten Nachrichtenportal "Breitbart" gesagt, er wolle konservative Bewegungen in Europa "stärken". Zudem hatte er sich kritisch zum Familiennachzug von Flüchtlingen in Deutschland geäußert. Die für einen Diplomaten höchst ungewöhnlichen Äußerungen sorgten für scharfe Kritik in Deutschland, mehrere Politiker warfen ihm eine Einmischung in innere Angelegenheiten vor.

Dem RND sagte Grenell nun, er bedauere die Tatsache, dass seine Worte "falsch interpretiert" wurden. "Ich sehe mich verpflichtet, mit allen Regierungen und allen politischen Parteien zusammenzuarbeiten, um die transatlantischen Beziehungen zu stärken."

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 12. Mai 2018 um 06:30 Uhr.

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