Hafenarbeiter beobachten im Hafen von Qingdao wie ein Containerschiff der China Shipping Line beladen wird. | Bildquelle: dpa

Handelsstreit USA - China Zölle, Gegenzölle - und jetzt?

Stand: 07.07.2018 14:13 Uhr

Seit gestern gelten Trumps neue Zölle für rund 800 chinesische Produkte - wie Autos, Flugzeugteile und Schiffsmotoren. China reagierte prompt. Was bedeutet das und wie geht es jetzt weiter?

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Ein Mercedes-Autohaus im Pekinger Stadtbezirk Haidian: Blitzblank geputzt warten die neuesten Modelle in mehreren Stockwerken auf Käufer. Die meisten Wagen des deutschen Herstellers, die hier ausgestellt werden, werden in China gebaut. Ein paar Modelle kommen aber auch aus Daimler-Werken in den Vereinigten Staaten.

Verkaufsmanager Xu Tao | Bildquelle: Benjamin Eyssel, Peking
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Mercedes-Verkaufsmanager Xu Tao mit einem SUV GLE: Das Modell wird in den USA gebaut - jetzt kommen 25 Prozent Zoll obendrauf.

Für Fahrzeuge, die in den USA gebaut werden, wie das SUV GLE, kommen jetzt beim Einkauf 25 Prozent Zoll obendrauf, sagt Xu Tao, Verkaufsmanager im Autohaus: "Der Handelsstreit zwischen den Ländern wird uns Geschäftsleute am meisten betreffen. Wenn der Staat Einfuhrzölle erhebt, steigen für uns die Einkaufskosten." Am Ende werde der höhere Preis auf die Verbraucher umgelegt, so Xu Tao. Um wie viel die Autos letztendlich für die Käufer teurer werden, hänge auch davon ab, wie viel der Konzern davon abfedert. Auch die Händler hätten Spielraum.

"Maßnahmen mit größter Sorge betrachtet"

"Das Inkrafttreten der Zölle bedeutet eine neue Stufe der Eskalation", sagt Hanna Müller, die den Bundesverband der Deutschen Industrie in China vertritt. Sie warnt vor Unsicherheiten für das globale Handelssystem: "Von zahlreichen deutschen Unternehmen, die in beiden Ländern Niederlassungen haben und Waren direkt aus den USA nach China oder in die entgegengesetzte Richtung verkaufen, werden die Maßnahmen auch mit größter Sorge betrachtet."

Daimler hatte erst vor Kurzem eine Gewinnwarnung herausgegeben, unter anderem wegen des Handelsstreits. Auch BMW baut Autos in den USA, die in China verkauft werden.

Einfuhrzölle in gleicher Höhe

Die chinesische Reaktion kam prompt, kurz nachdem die USA ihre Zölle verhängt hatten. Im chinesischen Staatsfernsehen verlas die Ansagerin eine Erklärung: Die USA hätten den größten Handelskrieg in der Geschichte angezettelt. China habe keine andere Wahl als zum Gegenschlag auszuholen. Und so verhängt die Volksrepublik ebenfalls Einfuhrzölle auf US-Produkte in gleicher Höhe wie die USA.

"Ein Handelskrieg kann keine Lösung sein"

Eine Pressekonferenz in Sofia, nur wenige Stunden, nachdem die Zölle in Kraft traten. Li Keqiang ist zu Gast in der bulgarischen Hauptstadt. Chinas Premierminister sucht in Europa Verbündete. Er trifft sich am Wochenende mit osteuropäischen Staats- und Regierungschefs. Anschließend fliegt Li Keqiang weiter nach Berlin, wo am Montag deutsch-chinesische Regierungskonsultationen stattfinden.

Chinas Premierminister Li Keqiang steht hinter einem Rednerpult und hebt den Finger. | Bildquelle: AFP
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Chinas Premierminister Li Keqiang in Sofia: "Wir sind der Meinung, dass ein Handelskrieg nie eine Lösung sein kann."

"Wir sind der Meinung, dass ein Handelskrieg nie eine Lösung sein kann", sagt Li Keqiang. "China würde nie einen solchen starten, aber wenn andere einfach ihre Zölle erhöhen, dann wird die Volksrepublik darauf reagieren." Ihm gehe es darum, die eigenen Interessen zu schützen, die Berechtigung und Wirkungskraft der Welthandelsorganisation aufrecht zu halten und den multinationalen Handel zu schützen.

Zu früh für das Wort Handelskrieg

Die chinesische Staats- und Parteiführung spricht schon jetzt von einem Handelskrieg. Verfrüht, findet Nick Marro, Analyst bei der Hong Konger Firma Economist Intelligent Unit: Dafür seien die Zölle auf Waren in Höhe von rund 35 Milliarden US-Dollar zu niedrig.

Er sagt aber auch: "Wenn Donald Trump tatsächlich seine Androhung wahr machen sollte und Zölle auf Waren in Höhe von 400 Milliarden Dollar einführt, hätte das weitreichende Konsequenzen." Die weltweite Lieferkette würde unterbrochen, das Wirtschaftswachstum in China und den USA um ein paar Prozent einbrechen und die weltweite Sicherheit könne darunter leiden.

Abgaben sollen Trump-Wähler treffen

Bislang wird in China kein großer Schaden erwartet. Die von der Volksrepublik verhängten Zölle sind wohl ganz bewusst gewählt worden. Die Abgaben auf Agrarprodukte werden zum einen vor allem die ländlichen US-Bundesstaaten treffen, die Donald Trump gewählt haben. Zum anderen sind sie leicht zu ersetzen. China hat bereits die Einfuhrzölle auf Sojabohnen für viele asiatische Länder abgeschafft.

Autohaus | Bildquelle: Benjamin Eyssel, Peking
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Autohaus in Peking: "Wer sich einen Mercedes leisten kann, dem machen auch ein paar Prozent mehr Zoll nichts aus", sagt ein Käufer aus der Mittelschicht.

Keine Angst vor einem Handelsstreit

Im Pekinger Mercedes-Autohaus erklärt ein Verkäufer einem jungen chinesischen Ehepaar aus der aufstrebenden Mittelschicht, wie ihre neue E-Klasse funktioniert. Der Zweitwagen für die Frau ist in China gebaut worden, Importzölle fallen auf ihn ohnehin nicht an.

Wegen des Handelsstreits macht sich das Paar keine Sorgen - schon gar nicht wegen höherer Importzölle bei Autos. "Wer sich einen Mercedes leisten kann, dem machen auch ein paar Prozent mehr Zoll nichts aus", sagt der junge Mann.

US-Chinesischer Handelsstreit
Benjamin Eyssel, DLF
07.07.2018 13:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juli 2018 um 14:00 Uhr.

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