Enttäuschender Börsengang Xiaomi - Chinas Apple?

Stand: 09.07.2018 11:26 Uhr

2010 gegründet und acht Jahre später der viertgrößte Smartphone-Hersteller der Welt - der Aufstieg von Xiaomi ist symbolisch für den Aufstieg Chinas. Doch jetzt gab es einen Dämpfer.

Von Lothar Gries, boerse.ard.de

Noch zu Beginn des Jahres tönte Xiaomi-Gründer Lei Jun, sein Unternehmen sei mindestens 200 Milliarden US-Dollar wert. In den folgenden Monaten mussten er und die gesamte Analystenschar ihre Schätzungen deutlich revidieren, auf zuletzt 100 Milliarden Dollar. Doch selbst diese Bewertung erweist sich in Zeiten von Handelskrieg und einem völlig erratischen politischen Umfeld als illusorisch: Xiaomi ist an der Börse rund 50 Milliarden Dollar wert.

Damit zeigt sich: Xiaomi hat es zwar geschafft, seit seiner Gründung vor acht Jahren zum viertgrößten Smartphonehersteller der Welt aufzusteigen. Doch der Abstand zu den Branchen-Führern Samsung und Apple bleibt gewaltig. So ist der Konzern mit dem Apfel-Logo fast 1000 Milliarden Dollar wert.

Tiefrote Zahlen

Auch ein Blick in die Bilanz zeigt, warum Xiaomi viele Anleger abschreckt: Die Chinesen schreiben tiefrote Zahlen. Im vergangenen Jahr summierte sich der Verlust auf umgerechnet 5,75 Milliarden Euro. Die Konkurrenten Samsung und Apple verdienen dagegen Milliarden.

Xiaomi Mi3 Smartphone
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Xiaomi Mi3 Smartphone

Auch bei der Zahl der ausgelieferten Smartphones hinkt Xiaomi den Konkurrenten deutlich hinterher. 2017 verkaufte der Konzern eigenen Angaben zufolge 91,4 Millionen Mobilfunktelefone, Apple dagegen über 200 Millionen, Samsung sogar mehr als 300 Millionen. Hinzu kommt: Xiaomi erwirtschaftet den größten Teil des Umsatzes, über 70 Prozent, in China. Damit ist das Unternehmen abhängig von der Entwicklung eines einzigen Landes.

Expansion in den Westen angestrebt

Dabei handelt es sich zwar um einen gigantischen Markt mit über einer Milliarde potenzieller Kunden, doch eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Folge des Handelskonflikts mit den Vereinigten Staaten dürfte auch Hersteller wie Xiaomi empfindlich treffen. Das weiß auch die Konzernführung. Sie hat deshalb eine Expansion in ausländische Märkte gestartet und ist damit besonders in Indien äußerst erfolgreich. Nun macht sich das Unternehmen daran, auch den Westen zu erobern. Im Mai 2018 eröffnete erstmals im deutschsprachigen Raum ein eigener Laden (Mi Store) in der Nähe von Wien. Selbst ein Markteintritt in den USA wird erwogen.

Womit Xiaomi sein Geld verdient
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Womit Xiaomi sein Geld verdient

In der Volksrepublik ist Xiaomi eines der bekanntesten Unternehmen und wird gelegentlich auch das "Apple von China" genannt. Denn längst hat sich die Konzernführung daran gemacht, die Abhängigkeit vom Smartphone zu reduzieren. Zwar machen diese Geräte noch immer gut 70 Prozent des Gesamtumsatzes aus, doch 2015 waren es noch 80 Prozent.

Immer größere Produktpalette

Tatsächlich wurde die Produktpalette zuletzt stetig verbreitert. Inzwischen bietet der Konzern auch Hausgeräte wie Fernseher, Smart-Lautsprecher, WiFi-Router, Leuchttechnik, Wasser- und Luftreiniger, Fritteusen oder Reiskocher an. Außerdem arbeitet Xiaomi an der Entwicklung vernetzter Technik (Internet der Dinge), mit dem Ziel, das Smartphone zum Zentrum eines Systems aus verschiedenen miteinander vernetzten Geräten zu machen.

Weitere Einnahmen erzielt Xiaomi mit Onlinewerbung, Videospielen sowie mit Musik- und Video-Streamingangeboten. Selbst Elektrofahrräder zählen inzwischen zu seinem Angebot.

Niedrige Gewinnmarge

Wo auch immer der Konzern aktiv wird: Xiaomi will möglichst immer der günstigste Anbieter sein. Deshalb hat Vorstandschef Lei Jun auch angekündigt, dass die Gewinnmarge im Hardware-Geschäft nicht über fünf Prozent liegen soll. Stattdessen will er lieber Geld mit Dienstleistungen verdienen. Diese Geschäftspolitik spiegelt sich auch in der operativen Marge wider. Diese lag im Jahr 2017 bei nur 10,7 Prozent und war damit deutlich niedriger als bei Apple (38,3 Prozent) und Samsung (47,3 Prozent).

Analysten sehen das Geschäftsmodell von Xiaomi deshalb zunehmend kritisch: Die geringe Gewinnmarge mache den Konzern anfällig, falls es zu Umsatzrückgängen bei Smartphones oder zu Kostensteigerungen kommen sollte. Außerdem zeigen sie sich besorgt über die geringen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Das wenige geistige Eigentum führe dazu, dass das Geschäftsmodell des Smartphone-Herstellers leicht kopiert werden könne.

Quelle: boerse.ard.de
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