oBikes in Berlin | Bildquelle: dpa

Umstrittener Fahrradvermieter oBike taucht in Deutschland ab

Stand: 11.07.2018 16:47 Uhr

Tausende teils schrottreife oBikes stehen in deutschen Innenstädten. Jetzt hat der Leihfahrradanbieter in Singapur Insolvenz angemeldet. Das Deutschland-Geschäft soll nicht betroffen sein. Trotzdem ist das Unternehmen nicht zu erreichen.

In mehreren deutschen Städten wachsen die Probleme mit den silber-gelben Leihrädern von oBike: Sie stehen oft im Weg und sind häufig Ziel von Vandalismus. Zwar habe der Anbieter aus Singapur mehreren Städten versprochen, alle oder einige Räder wegzuräumen.

Passiert sei aber nicht viel, sagt etwa der Fahrradbeauftragte der Stadt München, Florian Paul. "Das ist ein großes Ärgernis. Wir versuchen, seit Wochen und Monaten bei oBike jemanden zu erreichen, der sich um die Entfernung der Räder kümmert." Auf 1000 Räder sollte oBike seinen Fuhrpark in München reduzieren, aber noch immer seien 3000 in der Stadt.

Räder nicht mehr zu orten

oBike wurde erst im vergangenen Jahr gegründet und bietet in mehreren europäischen Städten seine Leihräder an. Zuständig für das Einsammeln der Räder ist nach eigenen Angaben das Schweizer Transportunternehmen "Umzug 24". Problematisch sei aber die Ortung der Räder, weil die App für die Nutzer nicht mehr richtig funktioniere, sagte "Umzug 24"-Mitarbeiter Sercan Ocar. oBike in Singapur gab bisher keine Stellungnahme ab.

Insolvenz in Singapur

Für Unruhe sorgt, dass oBike am Stammsitz Singapur Insolvenz angemeldet hat. Auf die Geschäfte an anderen Standorten habe dies aber keine Auswirkungen, teilte der Anbieter im Juni mit. In Deutschland müssen Nutzer laut oBike-Website eine "zurückerstattbare Kaution von 79 Euro" zahlen. Beschwerden von Nutzern waren dem Verbraucherzentrale-Bundesverband in Berlin laut einer Sprecherin nicht bekannt.

Mehrere deutsche Städte melden Unstimmigkeiten

Trotzdem melden auch andere deutsche und europäische Städte Probleme mit oBike: In Hannover erreicht man laut einer Sprecherin der Stadt seit vergangener Woche niemanden mehr bei oBike. In Frankfurt habe die Firma immer seltener falsch abgestellte Räder rechtzeitig entfernt und sei dann teils nicht mehr erreichbar gewesen, sagte der Sprecher des Verkehrsdezernats.

Im Juni hatte oBike angekündigt, sich aus Frankfurt zurückzuziehen, vergangenen Mittwoch habe die Stadt das letzte Mal etwas von dem Anbieter gehört. "Da hieß es, sie würden noch nach einer Firma suchen, die die Fahrräder wegräumt." Der Verleiher habe 1200 Räder in Frankfurt.

München ergreift die Initiative

In München ist man schon einen Schritt weiter: "Wir lassen rechtlich prüfen, welche Möglichkeiten die Stadt hat." Weil die oBikes weder herrenlos noch städtisches Eigentum sind, darf die Stadt sie nicht einfach selbst wegräumen. "Sie gehören dem Unternehmen, und das ist verpflichtet, sich darum zu kümmern."

oBikes in einer Lagerhalle in Hamburg | Bildquelle: dpa
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In Hamburg brachte oBike seine Räder gar nicht erst auf dem Markt.

Hamburger Räder verließen nie die Lagerhalle

In Hamburg hat oBike laut Verkehrsbehörde zwar Mitte 2017 versucht, einen Fuß in den Markt zu bekommen. Rund 10.000 Räder stehen dafür in einer Lagerhalle bereit. Doch auch für den Hallenvermieter ist oBike nicht mehr erreichbar, Pachtkosten wurden nicht mehr bezahlt.

Bisher keine Probleme in Berlin

Berlin hat immerhin oBike-Räder, die auch fahren. Wie viele genau, ist der Senatsverkehrsverwaltung nicht bekannt. "Der letzte Kontakt war im April, aber wir haben es seitdem auch nicht mehr versucht", teilte ein Sprecher mit. Es sei bisher nichts darüber mitgeteilt worden, ob sich das Unternehmen aus Berlin zurückziehe. Probleme mit oBike seien dem Sprecher nicht bekannt.

Schwierigkeiten auch in anderen Ländern

In Rotterdam hat oBike die ursprünglich 2500 Räder laut Stadtverwaltung bereits auf 700 reduziert. Kaputte oder deutlich herrenlose Räder sammelt die Stadt selbst ein. In Wien hat oBike nach Angaben der Stadt seinen Standort aufgelöst, die Räder aber noch nicht entfernt. oBike Italien sagte auf dpa-Anfrage, dass es keine Pläne gebe, sich aus Italien zurückzuziehen.

Gestapelte Leihfahrräder in Shanghai | Bildquelle: dpa
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In Shanghai mussten die Behörden wegen des Überangebots bereits Zehntausende Leihfahrräder eingesammeln.

In Zürich - hier hat "Umzug24" seinen Sitz - klappt es besser als in den anderen Städten: Nach Angaben von Mike Sgier vom Tiefbau- und Entsorgungsdepartement der Stadt läuft die Räumungsaktion dort bislang reibungslos. oBike sei seit Ende Juni aus dem Geschäft.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 06. Juli 2018 um 06:30 Uhr.

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