SEK Beamte mit Atemschutzmasken und Schutzanzügen steigen in einen Krankenwagen. | Bildquelle: dpa

Festnahme in Köln Verdächtiger wollte offenbar Rizin herstellen

Stand: 13.06.2018 17:04 Uhr

Der 29-jährige Terrorverdächtige, der in Köln festgenommen worden war, hat offenbar versucht, das Gift Rizin herzustellen. Der Generalbundesanwalt ermittelt.

Von Michael Götschenberg und Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperten

In der Wohnung des in Köln festgenommenen Tunesiers haben die Ermittler offenbar die hochgiftige Substanz Rizin gefunden. Diese wird aus dem Samen der Rizinus-Pflanze gewonnen. Diese Gewächse sind bei Hobbygärtnern beliebt und werden auch Wunderbäume genannt. Aus den Samen wird in industriellem Maßstab Rizinusöl gemacht - dieses ist nicht giftig und wird beispielsweise für Arzneimittel und in der Kosmetikindustrie eingesetzt.

Der Giftstoff Rizin ist in den Samenkörnern allerdings nur in winzigen Mengen enthalten und nicht ohne Weiteres zu isolieren. Schafft man es aber, ist es ein extrem starkes und gefährliches Gift und gilt als biologischer Kampfstoff.

Rizinus Pflanze | Bildquelle: picture alliance / WILDLIFE
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Rizinus-Samen sehen harmlos aus, enthalten aber ein extrem gefährliches Gift.

Extrem giftig

Theoretisch würde schon das Gift eines einzelnen Samenkorns ausreichen, einen Menschen in Lebensgefahr zu bringen, sagt Professor Ralf Stahlmann, langjähriger Experte für Toxikologie an der Berliner Charité. Aber es sei schwierig, wirklich reines Rizin herzustellen. Weil es so giftig ist, hätten sich schon seit dem Ersten Weltkrieg Militärs für Rizin interessiert, erklärt Stahlmann. "Aus militärischer Perspektive geht es darum, den Stoff über die Luft großflächig zu verteilen", aber auch das sei technisch sehr kompliziert.

Tausend Samenkörner bestellt

Nach Recherchen von SWR und rbb hatte sich der Verdächtige Sief H. rund Tausend Samenkörner sowie weitere Chemikalien zur Isolierung des Rizins besorgt. Es ist aber noch unklar, ob und wie viel Rizin er bereits isolieren konnte. Denn nicht nur die Gewinnung des Gifts ist schwierig, auch seine präzise Bestimmung können nur wenige zertifizierte Labore vornehmen.

Deutschlandweit führend ist dabei das Berliner Robert-Koch Institut (RKI) der Bundesregierung. Experten des RKI sind bereits gestern per Hubschrauber nach Köln geflogen worden.

Rizinus Pflanze | Bildquelle: picture alliance / WILDLIFE
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Die Rizinus-Pflanze ist auch als Wunderbaum bekannt.

2016 aus Tunesien nach Deutschland gekommen

Aufgefallen ist der 29-Jährige Mann aus Tunesien dem deutschen Bundesamt für Verfassungsschutz, weil er die Rizinus-Samen über einen Onlinehändler gekauft hat. Bis zu diesem Zeitpunkt lag gegen ihn in Deutschland nichts vor, für die Sicherheitsbehörden war er ein Unbekannter. Er soll 2016 aus Tunesien nach Deutschland gekommen und mit einer deutschen Konvertitin verheiratet sein.

Derzeit ist er in Polizeigewahrsam, ob der Generalbundesanwalt einen Haftbefehl beantragen wird, soll im Laufe des Abends entschieden werden. Doch nach der Bestellung der Samen sahen sich Verfassungsschutz und Polizei den Mann genauer an und hegten einen ersten Verdacht. Sie bekamen mit, dass er darüber nachdachte, nach Syrien zu reisen. Außerdem kaufte er Chemikalien ein, die zur Rizin-Herstellung geeignet waren. Gestern leitete dann der Generalbundesanwalt ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein - wegen des Verdachts einer schweren staatsgefährdenden Straftat.

Verdächtiger wollte offenbar Rizin herstellen
Michael Götschenberg, ARD Berlin
13.06.2018 19:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 13. Juni 2018 um 17:38 Uhr.

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