Der türkische Präsident Erdogan bei einer Rede vor AKP-Mitgliedern | Bildquelle: AP

Zeuge in US-Prozess Genehmigte Erdogan die illegalen Geschäfte?

Stand: 01.12.2017 08:25 Uhr

Die Aussage des Goldhändlers Zarrab in einem US-Prozess rückt den türkischen Präsidenten Erdogan ins Zentrum eines Korruptionsskandals. Erdogan habe Geschäfte mit dem Iran genehmigt, die gegen Sanktionen verstießen, so der Vorwurf.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wird es immer heikler: In einem Prozess wegen Geldwäsche und Verstoß gegen amerikanische Iran-Sanktionen hat der Hauptbelastungszeuge der Anklage am dritten Tag weitere Details preisgegeben. Der 34-jährige Goldhändler Reza Zarrab, der vom Angeklagten zum Belastungszeugen wurde und mittlerweile mit den US-Behörden kooperiert, erklärte, Erdogan persönlich habe die Finanztransaktionen mit dem Iran damals genehmigt.

Aussage setzt Erdogan unter Druck

Zeichnung von der Aussage des Goldhändlers Zarrab vor einem Gericht in New York | Bildquelle: AP
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Mit seinen Aussagen vor dem New Yorker Gericht bringt Reza Zarrab die türkische Regierung in Erklärungsnot.

Die Behauptung des Zeugen würde den türkischen Präsidenten in den Mittelpunkt eines umfangreichen Korruptionsskandals rücken. Der Zeuge Zarrab, der im März 2016 in den USA verhaftet worden war, hatte offenbar einst mit weiteren Beschuldigten - unter anderem einem ehemaligen Minister der Regierung Erdogan - große Mengen Goldes in den Iran transferiert. Dies geschah, um damit Ölexporte zu bezahlen, die laut US-Sanktionen eigentlich verboten waren. Seither bestand der Verdacht, die türkische Regierung habe von den Geschäften gewusst und einige Regierungsmitglieder auch persönlich profitiert.

Am Vortag hatte Zarrab ausgesagt, einem ehemaligen Wirtschaftsminister Millionen an Schmiergeldern überwiesen zu haben. Die türkische Regierung ließ daraufhin erklären, der Minister habe damals nicht gegen türkische und internationale Gesetze verstoßen. Nun folgte der Vorwurf des Hauptzeugen, Erdogan selbst habe die Geschäfte damals autorisiert.

Türkei sieht Prozess als Komplott

Türkischer Geschäftsmann Reza Zarrab | Bildquelle: dpa
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Reza Zarrab wird nach Ansicht türkischer Regierungsmitglieder in den USA als Geisel gehalten.

Die türkische Regierung hatte wiederholt im Vorfeld versucht, den Prozess in New York zu verhindern, sprach von einem Komplott gegen die Türkei. Das Verhältnis zwischen den USA und der Türkei, beide NATO-Partner, ist seither nahe am Gefrierpunkt. Zuletzt hatten die USA die Ausgabe von amerikanischen Reisevisa an türkische Staatsbürger eingestellt.

Türkische Regierungsmitglieder wiederum behaupteten, der Hauptzeuge des Prozesses werde in den USA als Geisel gehalten. Das amerikanische Außenministerium sowie der ermittelnde Staatsanwalt hatten diesen Vorwurf öffentlich als lächerlich bezeichnet.    

Zarrab-Prozess: Zeuge beschuldigt Präsident Erdogan
Georg Schwarte, ARD New York
30.11.2017 19:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Dezember 2017 um 18:30 Uhr.

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