Peter Montopoli, Generalsekretär des Fußballverbands von Kanada, Carlos Cordeiro, Präsident des Fußballverbands der USA, und Decio de Maria, Präsident des Fußballverbands von Mexiko | Bildquelle: dpa

USA, Mexiko und Kanada "United" zum WM-Zuschlag

Stand: 13.06.2018 02:39 Uhr

Nach 1994 wollen die USA 2026 wieder WM-Gastgeber sein - diesmal zusammen mit Kanada und Mexiko. Die gemeinsame Bewerbung gilt als Favorit - doch die Politik könnte den Traum noch platzen lassen.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

In Dallas erinnert man sich noch gut an den Sommer 1994. Damals, als die USA die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichteten. Im Cotton Bowl Stadium unter der texanischen Sonne fanden mehrere Vorrundenspiele statt. Stadionchef Bobby Abtahi erinnert sich im Fernsehsender CBS, dass auch das internationale Medienzentrum zur WM in Dallas untergebracht war.

Abtahi träumt von der Wiederauflage. Dallas würde wirtschaftlich profitieren, bekämen die Vereinigten Staaten den Zuschlag. Mit ihrer Bewerbung für die WM 2022 waren sie gescheitert. Dieses Mal soll es mit nachbarschaftlicher Hilfe klappen. Es ist das erste Mal, dass sich drei Länder gemeinsam bewerben.

"United" - vereint, so haben die USA, Kanada und Mexiko ihre Bewerbungskampagne überschrieben. Doch dass sich die drei nordamerikanischen Länder derzeit etwa in der Handelspolitik ordentlich in den Haaren liegen, trübt das heile Bild.

Das Mercedes-Benz-Stadium in Atlanta | Bildquelle: AP
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Die amerikanische Bewerbung punktet vor allem mit neuen Arenen wie dem Mercedes-Benz-Stadium in Atlanta.

Stadien und Infrastruktur stehen schon

Die Fußballverbandschefs der drei Länder lächeln darüber hinweg. Vor mehr als einem Jahr machten sie ihre Pläne öffentlich. "Wir haben die volle Unterstützung der US-Regierung", sagte damals Sunil Gulati, 2017 noch Präsident des US-Fußballverbandes. "Präsident Trump unterstützt die Pläne und hat uns zur gemeinsamen Bewerbung ermutigt. Trump ist besonders erfreut, dass Mexiko dabei ist."

Den Löwenanteil des Turniers würden eh die US-Amerikaner schultern, mit 60 Spielen in 17 Städten. Mexiko und Kanada sollen jeweils zehn Begegnungen übernehmen. Die FIFA-Funktionäre überzeugt vor allem, dass Stadien nicht erst gebaut werden müssen, denn sie stehen schon. Die Infrastruktur ist weitestgehend vorhanden.

Zweifelhafte Unterstützung durch den US-Präsidenten

Der einzige Herausforderer Marokko gilt zwar als Außenseiter, die Stimmen vieler afrikanischer Verbände scheinen Marokko allerdings sicher. Als der nigerianische Präsident Buhari Ende April im Weißen Haus zu Besuch ist, nutzte US-Präsident Donald Trump die Gelegenheit und wendete sich direkt an die afrikanischen Staaten. "Wir helfen euch, " so Trump. "Aber wir hoffen, dass ihr uns im Gegenzug auch unterstützt, bei unserer Bewerbung gemeinsam mit Kanada und Mexiko für die WM 2026. Wir beobachten das sehr genau und wir würden uns über jede Hilfe freuen."

Dann sprach Trump über Entwicklungshilfe und deutete an: Jede afrikanische Gegenstimme könnte finanzielle Konsequenzen bedeuten. Die FIFA fühlte sich daraufhin berufen noch einmal auf den Grundsatz hinzuweisen, dass sich die Regierungen nicht derart einzumischen hätten.

Dabei gibt Trump in den Augen vieler ohnehin einen denkbar schlechten Botschafter ab. Trumps Einreisestopp für Menschen aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern stieß international auf Kritik. Trumps abfällige Bemerkungen - er soll wörtlich von "Dreckslochländern" gesprochen haben - solche Aussagen stehen ohnehin für sich. Welchen Einfluss dies alles haben könnte, ist offen.

Die FIFA träumt von neuem Ticketrekord

Auch ob die Werbetrommel rührende Fußballpromis wie David Beckham etwas bewirken können, ist nicht sicher. Aufgeregt sei er. Amerika sei ein ganz besonderer Ort für die WM. Am Ende entscheiden wohl insbesondere die nackten Zahlen: Nicht unwichtig: Die USA, Mexiko und Kanada versprechen satte Einnahmen für den Fußballweltverband. Laut New York Times halten die USA noch immer den WM-Ticketverkaufsrekord aus dem Weltmeisterschaftsjahr 1994.

USA, Mexiko und Kanada wollen WM 2026 - mit Trumps Hilfe
Marc Hoffmann, ARD Washington
13.06.2018 09:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Juni 2018 um 05:30 Uhr.

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