Donald Trump | Bildquelle: REUTERS

Lässt Nordkorea Gipfel platzen? "Der Versuch, uns zu demütigen"

Stand: 16.05.2018 09:58 Uhr

Völlig überrumpelt - das trifft die Reaktion der USA auf Nordkoreas mögliche Absage für den gemeinsamen Gipfel am besten. Und nun? Ratloses Schwanken - dabei hatte Trump bereits vom Nobelpreis geträumt.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

US-Präsident Donald Trump war erstmal sprachlos. Vor dem Weißen Haus ignorierte er Fragen nach Nordkoreas Staatschef Kim Yong Un und dessen Drohung, den gemeinsamen Gipfel platzen zu lassen. Trump und seine Mitarbeiter waren davon überrascht worden.

Heather Nauert, die Sprecherin des Außenministeriums, startete die ersten Erklärungsversuche: "Kim Yong Un hatte früher gesagt, er verstehe die Notwendigkeit der gemeinsamen Manöver von den USA und Südkorea. Sie sind legal und lange geplant. Wir haben weder von seiner Regierung noch von der südkoreanischen Regierung etwas gehört, was darauf hinweist, dass wir die Manöver stoppen sollen oder die Vorbereitungen für das Treffen von Präsident Trump und Kim."

USA sahen sich auf Erfolgskurs

Schon im nächsten Monat will sich Trump mit Kim treffen, zu einem historischen Gipfeltreffen. Bisher hatte die Trump-Regierung den Weg dorthin als Erfolg verkauft: Zuerst Druck und Kriegsdrohungen, dann Diplomatie und das Versprechen eines Gipfels. Trump selbst sah seine Strategie schon als bestätigt und sprach vom Friedensnobelpreis.

Nordkorea-Experten in Washington versuchen nun, sich einen Reim aus den jüngsten nordkoreanischen Drohungen zu machen. Der Autor Michael Malice sagte bei Fox News über Nordkoreas Führung:

"Dies ist ihr Versuch, uns sehr effektiv zu demütigen und zu blamieren. Das Außenministerium muss im Fernsehen zugeben, dass es keine Ahnung hat. Wir sehen aus wie Trottel - das machen sie sehr effektiv."

Der konservative Kolumnist Marc Thiessen sah dagegen eine Schwäche Kims: "Wenn er seine Atomraketen aufgibt, helfen wir ihnen, Wohlstand zu erlangen. Das ist unser Angebot. Wenn Kim das ablehnt, dann ist er verantwortlich für das Leid der Nordkoreaner."

Gab Xi Anstoß für Ultimatum?

Bonnie Glaser vom Think Tank CSIS sagte, Kim könnte vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping beeinflusst worden sein. Die beiden hatten sich erst kürzlich getroffen. Xi hatte dafür geworben, einen Stopp des nordkoreanischen Atomprogramms anzubieten, wenn die Manöver von den USA und Südkorea ebenfalls gestoppt werden.

John Kirby, Sprecher des Außenministeriums unter Ex-Präsident Barack Obama, riet zur Besonnenheit. Er verwies bei CNN auf all die Dinge, die Kim nicht getan habe: "Er hat keine Raketen abgefeuert, so wie im vergangenen Jahr, als die Manöver stattfanden. Seit einem Monat laufen die Manöver bereits - ohne Reaktionen. Er hat in dieser Zeit drei Amerikaner freigelassen. Wir müssen die Perspektive bewahren. Ich glaube nicht, dass er den Gipfel torpedieren will."

Der US-Regierung rennt aber die Zeit davon. Sie hat nur noch wenige Wochen, den Gipfel von Trump und Kim vorzubereiten. Trump will einen Erfolg - auch wenn er immer wieder droht, er könne jederzeit vom Verhandlungstisch aufstehen, wenn ihm das Ergebnis nicht passt.

Nordkoreas Drohungen: Ratlosigkeit in Washington
Jan Bösche, ARD Washington
16.05.2018 09:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Mai 2018 um 08:09 Uhr.

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