Ein Boot der türkischen Küstenwache patrouilliert im Ägäischen Meer. | Bildquelle: dpa

Spannungen vor Zypern Erdogan warnt vor "Fehlschlüssen"

Stand: 13.02.2018 11:43 Uhr

Türkische Kriegsschiffe hindern den italienischen Energiekonzern ENI daran, vor Zypern nach Erdgas zu bohren. Präsident Erdogan verschärft die Spannungen: Er warnt vor "Fehlschlüssen" - auch in der Ägäis.

Seit inzwischen vier Tagen blockiert die Türkei mit Kriegsschiffen ein Gebiet vor der Küste Zyperns, in dem der italienische Energiekonzern ENI nach Erdöl suchen möchte. Die Spannungen beschäftigen bereits den EU-Ratspräsidenten - nun heizt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sie weiter an. "Opportunistische Versuche der Erdgasförderung vor Zypern und den ägäischen Inseln entgehen unserer Wahrnehmung nicht", sagte er vor Abgeordneten der Regierungspartei AKP. "Wir warnen die, die mit Fehlschlüssen auf Zypern und in der Ägäis aus der Reihe tanzen".

Türkei sieht Rechte türkischer Bewohner Zyperns bedroht

Die Türkei sieht durch das Bohrvorhaben die Rechte der türkischen Bewohner Zyperns gefährdet. Die Insel ist seit dem Einmarsch türkischer Militärs nach einem Putsch 1974 geteilt. Der nördliche Teil, der sich selbst "Türkische Republik Nordzypern" nennt, wird jedoch international nicht als Staat anerkannt.

Die gesamte Insel ist seit 2004 Mitglied der EU. Die Regierung in Nikosia kontrolliert aber nur den Südteil der Insel. Erst im Juli 2017 waren Gespräche zur Zukunft der Insel an einem Streit über den Status der 35.000 türkischen Soldaten gescheitert, die im Norden stationiert sind.

Spannungen auch in der Ägäis

Zu Spannungen kam es auch in der Ägäis: Ein Boot des türkischen Küstenwache rammte ein Patrouillenboot der griechischen Küstenwache. Bei dem Zwischenfall in der Nähe der umstrittenen Felseninseln Imia (türkisch: Kardak) seien Schäden am Heck des griechischen Bootes entstanden; es sei aber keines der 27 Besatzungsmitglieder verletzt worden, teilte die griechische Küstenwache mit.

Der griechische Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos bestätigte den Zwischenfall. In letzter Zeit gebe es rund um die Türkei eine allgemeine Destabilisierung. "Und das Nachbarland trägt mit seinem Verhalten nicht dazu bei, die Turbulenzen zu überwinden. Ganz im Gegenteil", sagte er einem griechischen Nachrichtensender.

Die Nachbarstaaten streiten sich neben der Zypern-Frage seit Jahrzehnten auch um Hoheitsrechte in der Ägäis. 1996 hatte der Streit um die unbewohnten Felseninseln die beiden NATO-Staaten an den Rand eines Krieges gebracht. Ein bewaffneter Konflikt konnte im letzten Moment nach einer diplomatischen Intervention der USA abgewendet werden. Danach bemühten sich Athen und Ankara um Entspannung.

Über dieses Thema berichteten am 13. Februar 2018 MDR aktuell um 11:38 Uhr und B5 aktuell um 12:05 Uhr.

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