US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX/Shu

Russland-Kurs von Trump "Turbulente Woche im Weißen Haus"

Stand: 21.07.2018 17:29 Uhr

In der US-Regierung stößt die Annäherung von Präsident Trump an Putin offenbar zunehmend auf Widerstand. Sicherheitskreise zeigen sich besorgt. Trump dagegen nennt seine Kritiker "Heuchler".

In der US-Regierung wächst offenbar die Sorge über den Russland-Kurs von Präsident Donald Trump - vor allem im Sicherheitsapparat. Nach einem Bericht der "New York Times" verfolgen nationale Sicherheitskreise "eine radikal andere Politik als der Oberkommandierende Trump". Die Kluft zwischen der Position des Präsidenten und einer Politik, Russland zu zügeln, sei nie größer gewesen. Das sei ein ernsthaftes Risiko, schrieb die Zeitung unter Berufung auf amtierende und frühere Regierungsmitarbeiter.

Als Beispiel wird die Ukraine genannt. Das amerikanische Verteidigungsministerium habe am Freitag Hilfsgelder in Höhe von 200 Millionen US-Dollar gebilligt. Sie sollen demnach für den Kampf gegen die Separatisten in der Ostukraine eingesetzt werden, die von Russland unterstützt werden. "Russland soll die Konsequenzen für sein aggressives und destabilisierendes Verhalten und seine illegale Besetzung der Ukraine tragen", wird Verteidigungsminister James Mattis zitiert.

US-Präsident Trump und der russische Präsident Putin | Bildquelle: AFP
galerie

War US-Präsident Trump zu nachsichtig im Gespräch mit dem russischen Präsidenten Putin?

Trump will Putin wieder treffen

Trump dagegen plant ein weiteres Treffen mit dem russischen Präsidenten. Er will Wladimir Putin noch in diesem Herbst in Washington empfangen. Es wäre das zweite Gipfeltreffen der beiden. US-Geheimdienstkoordinator Dan Coats erfuhr offenbar erst aus den Medien von den Plänen und kündigte an, er wolle Trump "eine ehrliche Einschätzung der großen Risiken einer Einladung Putins ins Weiße Haus" geben. Nach dem ersten Treffen am Montag in Helsinki war dem US-Präsidenten vorgeworfen worden, er sei dem russischen Präsidenten nicht entschlossen genug entgegengetreten.

Putin hatte bei der Pressekonferenz mit Trump jede russische Einschmischung in die US-Präsidentschaftswahlen 2016 bestritten. Von dieser Einschmischung aber sind die US-Geheimdienste überzeugt. Trump bezog daraufhin ebenfalls Stellung - aber nicht für die US-Dienste und deren Erkenntnisse, sondern für Putin. Er nannte das Dementi des russischen Präsidenten "extrem stark und kraftvoll". Während Politiker und Medien in den USA diese Aussagen massiv kritisierten, wurde Trump dafür aus Russland gelobt. Später behauptete er, er habe sich bloß versprochen und das Gegenteil gemeint.

Trumps überraschte selbst Spitzenberater

Das "Wall Street Journal" schrieb unter Berufung auf Mitarbeiter des Weißen Hauses, würde Trump eine russische Einmischung in die Wahlen 2016 tatsächlich akzeptieren, würde dies seinen Sieg entwerten - "und unfairerweise Zweifel an der Legitimität seiner Präsidentschaft säen", erklärte ein Mitarbeiter die Denkweise von Trump. Doch das Agieren des US-Präsidenten in der Russland-Frage habe selbst Spitzenberater überrascht. Auch die "Washington Post" berichtete über eine "turbulente Woche im Weißen Haus". Die Sorge über Trumps Herangehen an Russland wachse.

Trump selbst griff seinen Kritiker erneut an, nachdem er sich mehrere Tage lang um Schadensbegrenzung bemüht hatte. "Ich wurde von den Fake-News-Medien hart kritisiert dafür, zu nett zu Präsident Putin gewesen zu sein. Früher hätte man das Diplomatie genannt", twitterte er. "Wenn ich laut und bösartig wäre, wäre ich dafür kritisiert worden, zu hart zu sein." Diejenigen, die ihm einen zu russlandfreundlichen Kurs vorwerfen würden, hätten in der Vergangenheit kritisiert, dass er etwa Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zu hart angegangen sei. "Heuchler", twitterte Trump.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juli 2018 um 13:16 Uhr.

Darstellung: