Theresa May und Donald Trump | Bildquelle: JACK TAYLOR/POOL/EPA-EFE/REX/Shu

Trumps Rat an May "Verklagen Sie doch die EU!"

Stand: 15.07.2018 17:05 Uhr

Während seines ersten offiziellen Besuchs in Großbritannien hatte US-Präsident Trump Premierministerin May Tipps für die Brexit-Verhandlungen gegeben. Nun verriet May, welche es waren.

Von Anne Demmer, ARD-Studio London

Auf der gemeinsamen Pressekonferenz nach dem Arbeitstreffen mit seiner Gastgeberin Theresa May wollte US-Präsident Donald Trump - ansonsten wenig zimperlich - nicht damit herausrücken, was er der britischen Premierministerin für die anstehenden Verhandlungen mit der EU auf den Weg geben wollte. Er habe ihr etwas empfohlen, aber er könne verstehen, wenn sie das ein wenig hart finde, sagte der US-Präsident vor Journalisten.

Im BBC-Interview lüftete May dann das Geheimnis. "Er sagte, ich solle die EU verklagen, statt mit ihr in Verhandlung zu treten", erklärte sie. "Aber natürlich werden wir verhandeln." Laut May fand er später allerdings moderatere Töne: "Geht nicht weg. Verlasst die Verhandlungen nicht, denn dann sitzt ihr fest", sagte er.

Theresa May und Donald Trump | Bildquelle: REUTERS
galerie

Bereits vor seinem ersten offiziellen Besuch in Großbritannien kritisierte der US-Präsident die britische Premierministerin scharf.

Erst Kritik, dann Kehrtwende

Zuvor hatte der US-Präsident die britische Premierministerin in einem Interview mit der britischen Boulevard-Zeitung "Sun" brüskiert. Er hatte ihren neuen Brexit-Kurs scharf kritisiert. Trump drohte ihr, im Falle eines weichen Brexits werde es kein Handelsabkommen zwischen Großbritannien und den USA geben.

Nach dem Arbeitstreffen auf dem Landsitz der britischen Premierministerin in Chequers verwirrte der US-Präsident dann mit einer Kehrtwende. Er habe die Premierministerin nie kritisiert, das seien "Fake News", erklärte er - obwohl das Original-Interview auf den Internetseiten der "Sun" nachgehört werden kann. Er betonte, alles was Großbritannien wolle, sei Handel zu betreiben. Die USA hätten dasselbe Interesse. Gemeinsam hätten beide Länder die Chance, das Handelsvolumen zu verdoppeln, wenn nicht gar zu verdreifachen oder noch mehr. 

May unter Druck

Theresa May, die vor ihrem Amtsantritt als Premierministerin als EU-Befürworterin galt, steht unter großem Druck. Die Brexit-Befürworter in ihrer Partei rebellieren gegen den neuen Kurs der Premierministerin. Außenminister Boris Johnson und Brexit-Minister David Davis waren vor rund einer Woche zurückgetreten, weil sie den neuen Kurs nicht mittragen wollten. 

Erst vor wenigen Tagen hatte May den neuen, weicheren Brexit-Plan in einem Weißbuch vorgelegt, die Grundlage für die Verhandlungen mit der EU. Auf über 100 Seiten wird dort der Brexit erklärt. Der Plan sieht ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union vor.

Hardliner wie der konservative Hinterbänkler Jakob Rees-Mogg befürchten eine zu enge Bindung an die EU und weitere Zugeständnisse an Brüssel im Laufe der Verhandlungen. "Die Regierung glaubt, dass der Brexit an sich keine gute Sache ist", so Rees-Mogg. "Sie glaubt, er müsse abgemildert werden. Aber der Brexit ist eine riesige Chance für das Land. Die Premierministerin sieht das nicht, und deswegen glaube ich, dass sie nach wie vor für den Verbleib in der EU ist."

Eine überdimensionale aufblasbare Puppe, die den US-Präsidenten Trump als wütendes Baby in einer Windel darstellen soll | Bildquelle: AP
galerie

Eine überdimensionale aufblasbare Puppe, die US-Präsident Trump als wütendes Baby in einer Windel darstellen soll, war als Zeichen des Protestes in London zu sehen.

"Bislang keine praktikable Alternative"

In einem Gastbeitrag in der "Sunday Mail" warnte May ihre Kritiker davor, durch einen Boykott ihrer Brexit-Strategie den geplanten EU-Austritt des Vereinigten Königreichs komplett aufs Spiel zu setzen. Man müsse das Ziel im Auge behalten, sonst würde das Land Gefahr laufen, am Ende ganz ohne Brexit dazustehen, schrieb sie. Sie nehme die Bedenken mancher Parteimitglieder gegen ihren Kurs wahr, allerdings hätten diese bis heute keine praktikable Alternative vorgelegt. 

Währenddessen ist US-Präsident Donald Trump bereits auf dem Sprung nach Helsinki, wo er am Montag Russlands Staatchef Wladimir Putin treffen wird.

Über dieses Thema berichtete am 15. Juli 2018 Inforadio um 14:06 Uhr und Deutschlandfunk Kultur um 17:08 Uhr.

Darstellung: