Mann mit Kind in Aleppo | Bildquelle: dpa

Alltag in Syrien Bomben, Flucht - aber auch Hoffnung

Stand: 07.12.2017 09:56 Uhr

Sachsen und Bayern wollen Straftäter und Gefährder wieder nach Syrien abschieben. Über ihren Vorschlag wird heute auf der Innenministerkonferenz beraten. Ein Bericht über Syrer, die Tierfutter essen müssen und ständig vor Bomben fliehen.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Ein Glas Tee, etwas Gebäck und für die Kinder pink-farbene Zuckerwatte: Shadia Qawaq erscheint das Leben schön. Sie sitzt in Aleppo in einem Straßencafé, das vor einiger Zeit wiedereröffnete, zu Füßen der Zitadelle, wo es bis vor einem Jahr noch heftige Kämpfe zwischen Regierungskräften und Aufständischen gegeben hatte.

"Ich freue mich so sehr, denn bald werde ich wieder mit meinen Geschwistern und Bekannten hier sitzen. Die Festung und die Bäder habe ich früher oft mit meiner Mutter besucht. Wer die Festung nicht kennt, sollte sie und die Stadtbewohner kennenlernen", sagt Qawag.

Der Basar in Aleppo vor der Wiedereröffnung im November 2017 | Bildquelle: AFP
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Der Basar in Aleppo im November.

"Das Leben zahlloser Zivilisten durch Gewalt bestimmt"

Doch ein Jahr, nachdem die Rebellen in Aleppo aufgeben mussten, liegt der Ostteil der Stadt noch immer in Trümmern. Ihn wiederaufzubauen, dürfte die Möglichkeiten der Regierung weit übersteigen. Aber immerhin: In Aleppo sind die Menschen wieder sicher - wie auch in anderen Landesteilen, in denen derzeit nicht gekämpft wird.

In einem neuen Bericht stellen die Vereinten Nationen dennoch fest: "Trotz des Rückgangs des Niveaus der Feindseligkeiten in bestimmten Teilen des Landes - vor allem wegen einiger Übereinkommen zur Desskalation und wegen des Rückgangs der Zahl von Belagerungen - ist das Leben zahlloser Zivilisten durch anhaltende oder zunehmende Gewalt in anderen Landesteilen bestimmt."

Menschen essen Tierfutter

So auch in Ost-Ghouta, einer Region östlich von Damaskus, die seit 2013 von Regierungskräften belagert wird. Bis zu 400.000 Menschen wohnen dort. Seit Wochen folgt ein Luftangriff auf den anderen, immer mehr Menschen essen Tierfutter oder das, was sie im Müll finden. Und immer wieder kostet die Belagerung Leben - so das von Mohammed Ghabboura. Dessen Vater berichtet, dass sein neugeborener Sohn nur drei Tage alt wurde: "Er hat eine Spritze gebraucht, um seine Lunge zu öffnen, und die gab es nicht. Ich habe gestern überall danach gesucht, vergebens. Nur in Damaskus gibt es das, und wir können da nicht hin", sagt der Vater.

"Ihr tägliches Leben ist die Hölle"

UNICEF-Deutschland nennt 2017 das bisher wohl schlimmste Jahr des Konflikts für Kinder. Im ersten Halbjahr seien mehr Kinder ums Leben gekommen als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Nach wie vor ist mehr als jeder zweite Syrer auf der Flucht, das sind 12,6 Millionen Menschen - so die Vereinten Nationen. Mehr als sechs Millionen davon sind Binnenflüchtlinge, 5,5 Millionen Syrer haben das Land verlassen. Und mehr als 13 Millionen Menschen in Syrien benötigen derzeit humanitäre Hilfe: "Die Menschen leiden so sehr - sie wissen einfach nicht mehr, wie es weitergehen soll", sagt Bettina Lüscher vom Welternährungsprogramm. "Wir haben jetzt innerhalb Syriens zehn Millionen Menschen, die nicht genug zu essen haben, und ihr tägliches Leben ist die Hölle."

Hunger in Ost-Ghouta
tagesthemen 23:13 Uhr, 30.10.2017, Volker Schwenk, ARD Kairo

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Neue Flüchtlingsbewegungen

Eine Karte der Vereinten Nationen zeigt die Flüchtlingsbewegungen im Land im ersten Dreivierteljahr. Pfeile zeigen in alle Richtungen, denn wann immer eine bestimmte Region zu unsicher wird, suchen Menschen andernorts Schutz. Im September zählten die Vereinten Nationen deshalb 265.000 solcher Flüchtlingsbewegungen innerhalb Syriens. Das ist ein starker Anstieg im Vergleich zum Vormonat und zum September vor einem Jahr.

Bisher seien in diesem Jahr 721.000 Menschen in ihren Heimatort zurückgekehrt. Verglichen mit dem Vorjahr sei das ein leichter Anstieg, so die Vereinten Nationen. Doch die warnen gleichzeitig: "Die allgemeinen Bedingungen für eine sichere und dauerhafte Rückkehr gibt es in vielen Teilen des Landes noch nicht."

Nach Syrien abschieben? - Viele Syrer erleben die Lage im Land als Horror
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
07.12.2017 09:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Dezember 2017 um 10:25 Uhr.

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