Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Demonstranten im türkischen Soma.

Letzter Toter aus türkischer Mine geborgen Suche abgeschlossen - der Zorn bleibt

Stand: 17.05.2014 22:36 Uhr

Vier Tage ach dem schweren Bergwerksunglück in der Türkei sind die vermutlich letzten zwei noch vermissten Bergarbeiter tot geborgen worden. Doch Ruhe kehrt nicht ein: Die türkische Regierung versucht mit drastischen Maßnahmen, die Proteste im Land einzudämmen.

Demonstrationsverbot, Kontrollen und Festnahmen

Hunderte von Polizisten patrouillierten nach dem Ende der Bergungsarbeiten in den Straßen des Unglücksortes Soma, während andere an der Zufahrtstraße Ausweise kontrollierten. Der Nachrichtenagentur Dogan zufolge wurden 36 Menschen festgenommen. Darunter seien acht Anwälte, die verdächtigt worden seien, an neuen Protesten teilnehmen zu wollen. Der Lokalgouverneur hatte wegen der Ausschreitungen am Vortag ein Demonstrationsverbot verhängt.

Augenzeugen berichteten, zwischen 50 und 100 Menschen hätten sich geweigert, ihre Versammlung aufzulösen. Nach einem Wortgefecht hätten Polizisten einige Menschen geschlagen und mehrere in Gewahsam genommen.

Türkische Soldaten riegeln den Eingang zur Mine in Soma ab.
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Türkische Soldaten riegelten den Eingang zur Mine in Soma ab.

Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und der Polizei in Istanbul.
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In Istanbul setzte die Polizei Wasserwerfer ein.

Tränengas und Wasserwerfer in Istanbul

Auch in der Metropole Istanbul ging die Polizei erneut gewaltsam gegen Demonstranten vor. Die Sicherheitskräfte setzten auf der zentralen Einkaufsmeile Istiklal Caddesi Wasserwerfer und Tränengas ein, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. Hunderte Demonstranten forderten in Sprechchören den Rücktritt der Regierung wegen des verheerenden Grubenunglücks.

Einer der Hauptvorwürfe lautet, die Regierung unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan habe den wirtschaftlichen Aufschwung im Land auf Kosten der Arbeitssicherheit vorangetrieben. Mit taktlosen Äußerungen zu dem Unglück sowie mutmaßlichen tätlichen Angriffen auf Betroffene provozierte Erdogan weiteren Unmut.

Der Zorn der Menschen richtete sich auch gegen die Betreiber der Mine Soma Kömur. Sie wurden beschuldigt, Profitinteressen über Investitionen in Sicherheitsvorkehrungen zu stellen. Die Zeitung "Milliyet" verwies unter Berufung auf einen vorläufigen Ermittlungsbericht zu den Ursachen des Unglücks auf zahlreiche Sicherheitsmängel in der Grube, etwa das Fehlen von Rauchmeldern. Der Grubenchef Alp Gürkan hatte sich 2012 damit gebrüstet, die Produktionskosten von 130 Dollar (rund 95 Euro) auf 24 Dollar pro Tonne gesenkt zu haben.

Ursache soll weiter untersucht werden

Die Leichen der beiden letzten noch vermissten Arbeiter wurden im Laufe des Samtags geborgen. Niemand werde mehr vermisst, sagte Energieminister Taner Yildiz. Damit liege die endgültige Zahl der Todesopfer bei 301. Die Regierung erklärte die Sucharbeiten in dem Bergwerksstollen für abgeschlossen, die Suche nach der Ursache des Unglücks solle aber fortgesetzt werden.

Im Unglücksort selbst waren Zweifel aufgekommen, ob die offiziellen Angaben über die Zahl der Arbeiter mit der tatsächlichen Zahl der Männer, die sich zum Unglückszeitpunkt unter Tage befanden, übereinstimmt.

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