TV-Bild mit Trump und Kim | Bildquelle: AP

Geplantes Treffen mit Trump Nordkorea droht mit Absage des Gipfels

Stand: 16.05.2018 05:50 Uhr

Nach Wochen des politischen Tauwetters geht Nordkorea wieder auf Konfrontationskurs. Machthaber Kim sieht sich von den USA und Südkorea getäuscht. Ein erstes Spitzentreffen wurde bereits gecancelt.

Nordkorea hat mit der Absage des geplanten Gipfeltreffens von Machthaber Kim Jong Un mit US-Präsident Donald Trump gedroht. Grund seien die US-Forderungen nach einer nordkoreanischen Abkehr von Atomwaffen, teilte der nordkoreanischen Vize-Außenminister Kim Kye Gwan mit. Zuvor hatte Nordkoreas Führung bereits überraschend ein für heute geplantes Treffen mit hochrangigen südkoreanischen Regierungsvertretern abgesagt.

Wenn die US-Regierung "uns in die Enge treibt und einseitig fordert, dass wir Atomwaffen aufgeben, haben wir kein Interesse mehr an Gesprächen", sagte Kim laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Pjöngjang erörtere derzeit noch eine Teilnahme an dem geplanten Gipfeltreffen.

Militärmanöver gilt als Grund

Zuvor hatte bereits die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet, Nordkorea erwäge eine Absage des Treffens. Als Grund wurde das alljährliche Militärmanöver "Max Thunder" genannt, an dem Streitkräfte Südkoreas und der USA teilnehmen.

Diese Übung verletze die gemeinsamen Vereinbarungen von Süd- und Nordkorea nach dem Gipfeltreffen vom 27. April und sei eine vorsätzliche militärische Provokation, hieß es in dem Bericht der KCNA. Damit droht eine diplomatische Kehrtwende im Tauwetter auf der koreanischen Halbinsel.

Streit um Atomwaffenprogramm

Kim Kye Gwan kritisierte jüngste Äußerungen von Trumps Nationalem Sicherheitsberater John Bolton. Der hatte gesagt, Nordkorea solle eine "vollständige, nachweisbare und unumkehrbare" Demontage des Atomwaffenprogramms erbringen.

Das Treffen zwischen Kim Jong Un und Trump, das erste direkte zwischen den Staatschefs Nordkoreas und den USA, soll am 12. Juni in Singapur stattfinden und hatte Hoffnungen auf eine Lösung des Atomkonflikts genährt.

Südkorea bedauert die Absage

Südkorea bedauerte die Absage der für heute geplanten Versöhnungsgespräche. Das Vereinigungsministerium in Seoul rief das Nachbarland auf, so früh wie möglich Gespräche zu führen, die "dem Frieden und Wohlstand auf der koreanischen Halbinsel" dienten. Die Regierung sei entschlossen, die gemeinsame Erklärung des bilateralen Gipfeltreffens umzusetzen.

Die Gespräche sollten auf der südlichen Seite des Waffenstillstandsdorfes Panmunjom stattfinden, um Folgemaßnahmen zu dem Gipfeltreffen der beiden koreanischen Führer im vergangenen Monat zu diskutieren.

US-Regierung reagiert zurückhaltend

Die USA hatten auf die ersten Berichte aus Nordkorea zurückhaltend reagiert und keinen Anlass zur Kursänderung gesehen: "Wir machen weiter und treiben die Planungen für das Treffen von Präsident Trump und Kim Jong Un voran", sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, bevor sich der nordkoreanischen Vize-Außenminister äußerte. Die Militärübungen stellten keinesfalls eine Provokation dar. "Das sind Dinge, die wir auf der ganzen Welt machen", sagte Nauert. Das Verteidigungsministeriums erklärte, die Übungen seien lange angekündigt gewesen, es handele sich um regelmäßige Frühlingsmanöver.

Konflikt existiert schon lange

Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea schwelt seit Jahrzehnten. Der Krieg (1950-1953) zwischen dem kommunistischen Nordkorea und der Republik Südkorea mit mehreren Millionen Toten zementierte die Spaltung. Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht - zuletzt standen die Zeichen aber auf Wandel.

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