Ruinen im Jemen | Bildquelle: dpa

Machtkampf in Nahost Woher rührt der Konflikt im Jemen?

Stand: 18.04.2018 16:50 Uhr

Viele sehen im Jemen-Krieg einen Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Deshalb bombardieren die Saudis die Huthi-Rebellen. In Wirklichkeit ist dieser Krieg aber hausgemacht.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Zehntausende Jemeniten versammelten sich Ende März in der Hauptstadt Sanaa zu einer Großkundgebung. Drei Jahre zuvor hatte eine von den Saudis geführte Allianz mit Luftangriffen auf den Jemen begonnen, mit dem Ziel, die international anerkannte Regierung des Landes wieder an die Macht zu bringen. Nun wollten die Menschen ihre Widerstandskraft demonstrieren:

"Wir werden es bin Saud und diesen Juden und Agenten Amerikas nicht erlauben, unser Blut zu vergießen und uns zu belagern", sagt eine Frau. "Wir sagen der ganzen Welt, dass wir ein großartiges Volk sind, und uns der gesamten Welt entgegenstellen werden, selbst wenn sie weiterhin schweigt."

Zaiditen, Huthis, Schiiten

Die Teilnehmer dieser Kundgebung unterstützen "Ansar Allah", eine Gruppe, die nach ihrem Gründer auch als "die Huthis" bezeichnet wird. Nachdem sie 2014 die Hauptstadt und weitere Landesteile überrannten, eskalierte ein Konflikt, dessen Wurzeln mindestens ein Jahrzehnt zurückreichen - und bei dem es im Kern um eine behauptete Benachteiligung der Huthis geht, weil sie Zaiditen sind.

Die Zaiditen sind eine Glaubensrichtung im Islam und haben eine eigene Rechtsschule. Vereinfacht werden sie als Schiiten bezeichnet. Fachleute lehnen diese Klassifizierung jedoch als zu grob ab. Und nicht alle Zaiditen im Jemen hängen den Huthis an.

Ein Propagandavideo zeigt, wie Huthi-Rebellen Ende März ballistische Raketen Richtung Saudi-Arabien abfeuerten. In einer Fernsehansprache brüstete sich der Anführer der Aufständischen, Abdelmalik al-Houthi: "Im vierten Jahr (des Konflikts) kommen wir mit fortgeschrittenen Raketensystemen, die alle amerikanischen und nicht-amerikanischen Verteidigungssysteme überwinden - mit dem Badr-System, dem Burkan-System und mit anderen Systemen."

Karte Nahost mit Syrien, Irak, Iran, Saudi-Arabien, Jemen
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Der Jemen als Brückenkopf des Iran auf der Arabischen Halbinsel? Für den direkten Nachbarn Saudi-Arabien völlig inakzeptabel.

Inner-jemenitischer Konflikt

Die Huthi-Rebellen behaupten, ihre Raketen seien eigene Entwicklungen. In Wirklichkeit - so die Vereinten Nationen - sind sie jedoch iranischer Bauart. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass die Saudis irgendwann genug haben und den Iran angreifen. Allerdings behaupten die UN nicht, dass die Raketen vom Iran in den Jemen geliefert wurden.

Ohnehin gibt es über Art und Umfang der iranischen Unterstützung für die Huthis keine verlässlichen Angaben. Experten weisen daraufhin, dass die Huthis nicht einfach nur als Stellvertreter oder Befehlsempfänger des Iran agieren - vielmehr sei der Jemen-Krieg nach wie vor vor allem ein inner-jementischer Konflikt.

Mehr als zwei Millionen auf der Flucht

Mehr als zehntausend Menschen hat der Krieg bisher das Leben gekostet, mehr als zwei Millionen sind auf der Flucht vor der Gewalt, und drei Viertel der Jemeniten brauchen Nothilfe. Geert Cappelaere von Unicef sagt, dass vor allem die Kinder leiden: "Wir bitten für 2018 um knapp 350 Millionen Dollar für humanitäre Hilfe. Das sind Peanuts - nochmal: das sind Peanuts im Vergleich zu den Milliarden, die derzeit in den Krieg investiert werden."

Wie es scheint, haben sich die Saudis verrannt, weil sie auch im Jemen den Iran am Werk sehen. Doch diese Sichtweise hat mit der Wirklichkeit des Konflikts wenig zu tun - und sie macht seine Lösung noch schwieriger.

Machtkampf in Nahost: Der Jemen-Konflikt
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
18.04.2018 16:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. April 2018 von 20:30 Uhr bis 21:00 Uhr in der Sendung "Das Forum".

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