Statue von Christoph Kolumbus in New York | Bildquelle: AFP

Streit um New Yorker Statue Kolumbus darf bleiben

Stand: 13.01.2018 02:11 Uhr

Für die einen ist er der Entdecker Amerikas- andere sehen in der Kolumbus-Statue am Central Park ein Symbol der kolonialen Unterdrückung. Sie wollten die Statue entfernen lassen, doch eine Kommission hat jetzt anders entschieden.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Am Fuß der hohen Säule, auf der der Entdecker thront, steht die Inschrift: "Für Christopher Columbus". Aber auch: "Für die Italiener, Einwohner Amerikas". So waren es besonders italienisch-stämmige Amerikaner, die für den Erhalt des Seefahrer-Denkmals an dem nach ihm benannten Columbus Circle am Central Park kämpften - nicht zuletzt hatten ihre Vorfahren die Statue bezahlt.

"Ja sind wir denn Idioten, die die Idioten mit ihrer Abriss-Idee gewinnen lassen?" - so wettert etwa Nino LaRocca. "Wen knüpften die sich wohl als nächstes vor? George Washington vielleicht? Abraham Lincoln?" LaRocca muss sich nicht mehr aufregen. Christoph Kolumbus darf bleiben, genauso wie Ex-Präsident Roosevelt. Der sitzt hoch zu Pferd, zu Fuß begleitet von einem Schwarzen und einem Indianer. Das seien Karikaturen, sagen Kritiker.

Proteste gegen den Abriss der Kolumbus-Statue | Bildquelle: AFP
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Der Streit um das Denkmal erregte die Gemüter.

Mehrmonatige Prüfung

Das monumentale Bleiberecht ist wohl das wichtigste Ergebnis nach dreimonatiger Prüfung durch die Stadt New York. Fraglos gebe es Parallelwelten mit Blick auf Kolumbus, sagt Bürgermeister Bill de Blasio in einer ersten Reaktion am Telefon mit dem öffentlichen Sender WNYC: "Eine bedeutet eine sehr tragische Welt der Unterdrückung: das, was damals im Gefolge seiner Taten den Ureinwohnern zugefügt wurde. Eine andere aber ist seine Verbindung zu den italienisch-stämmigen Amerikanern. Dazu gehören meine eigenen Verwandten. All die haben viel für dieses Land getan und selbst viel Diskriminierung erlebt."

Nachdem die USA das Gedenken an Südstaaten-Generäle und andere historisch belastete Personen diskutiert hatten, reagierte New York mit einer Überprüfung all seiner öffentlichen Denkmale. Besonders hitzig verhandelte man den Verbleib von Kolumbus: Den einen gilt er als Held und Weltenentdecker, für Ureinwohner steht er dagegen für den Beginn von Unterdrückung und Kolonialismus.

Hinweise an der Statue

So soll die Statue um historisch einordnende Hinweisen ergänzt werden. Auch bekommt sie ein weiteres Denkmal an die Seite gestellt, das Ureinwohner würdigt. Er wolle sicherstellen, dass New Yorks öffentliche Plätze die Vielfalt und Werte der Stadt widerspiegelten, sagt der Bürgermeister.

Kritiker überzeugt er damit nicht. Einfach nur weitere Hinweistafeln anzubringen reiche nicht. Man sei enttäuscht, aber angesichts des bisherigen Umgangs mit Geschichte auch nicht überrascht, erklärt auch Betty Lyons von einer Gruppe für die Rechte von Ureinwohnern.

Der Columbus Circle in New York | Bildquelle: AP
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Die Kolumbus-Statue - hier ein Archivbild aus dem Jahr 2008 - ziert den Kreisverkehr am Central Park.

Kein Platz mehr für Denkmal von Arzt Sims

Kolumbus und Roosevelt bleiben - weichen muss allerdings Marion Sims. Der Arzt aus dem 19. Jahrhundert gilt als Vater der modernen Gynäkologie - allerdings führte er dafür Untersuchungen an versklavten Frauen durch, ohne deren Einwilligung. Sein Denkmal wird aus dem Central Park entfernt und auf den Green-Wood-Friedhof verlegt, wo er auch beigesetzt ist.

Bürgermeister de Blasio erklärt, der Umgang mit der gemeinsamen Geschichte sei ein schwieriges Unterfangen. Es gebe keine einfachen Lösungen. Wenigstens in dem Punkt werden ihm die Kolumbus-Gegner zustimmen, für die der Entdecker schlicht ein Symbol des Völkermordes ist.

Bleiberecht für den Weltenentdecker – Kolumbus Statue bleibt in New York
Kai Clement, ARD New York
13.01.2018 01:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Januar 2018 um 23:49 Uhr.

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