Ann Wangari mit Dreh-Team | Bildquelle: Caroline Hoffmann, WDR

Überflutungen in Kenia Überleben und Leid nach dem Dammbruch

Stand: 16.05.2018 11:34 Uhr

Millionen Afrikaner leiden unter den Folgen der heftigen Regenfälle in diesem Jahr. Bei dem Dammbruch in Kenia kamen mehr als 45 Menschen ums Leben. Dutzende werden noch vermisst.

Von Caroline Hoffmann, ARD-Studio Nairobi

Ann Wangari kann sich kaum bewegen. Die 23-Jährige hat überall Schrammen und Prellungen. Sie sitzt auf einem Stuhl in der Jungenschule von Solai - ein paar Hundert Meter entfernt von ihrem alten Zuhause. Dort steht fast nichts mehr.

Am Mittwochabend brach ein Damm, und eine Welle aus Wasser und Schlamm überrollte die Häuser. Wangari konnte sich selbst gerade noch retten. Ihren Sohn verlor sie im Wasser, erzählt sie, und weint bitterlich: "Das Wasser kam und hat mich und mein Kind gegen eine Tür geworfen", sagt sie. "Ich erinnere mich nicht, wie mein Sohn mir wegrutschte. Ich habe ihn danach überall gesucht, aber er war schon tot."

Ann Wangari | Bildquelle: Caroline Hoffmann, WDR
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Ann Wangari hat die Schlammwelle überlebt.

Mehrere Hundert Menschen verloren durch den Dammbruch ihr Zuhause. Viele von ihnen sind in der Jungenschule notdürftig untergebracht, schlafen auf Matratzen, bekommen Essen und Kleidung. Wangari dachte zuerst, es sei Regen, der laut auf Haus und Boden prassele. Dann bebte der Boden. Das Wasser riss sie mit sich. Fast wäre auch sie ertrunken. "Ich wurde gegen einen Zaun geworfen und blieb stecken. Ich dachte, ich schaffe es nicht. Dann teilte sich das Wasser. Ich sah einen Mann mit einer Taschenlampe und rief um Hilfe", erzählt sie.

Bei dem Unglück starben mindestens 45 Menschen, darunter viele Kinder. Und viele werden noch vermisst. In der Region hatte es heftig geregnet. Auf einer Blumenfarm oberhalb des Dorfes stand ein Erddamm, der die Wassermassen nicht halten konnte und brach.

An diesem Sonntag will der Gouverneur der Provinz Nakuru die Opfer der Katastrophe in der Schule besuchen. Er verspricht Unterstützung. Die Kinder könnten auch bald wieder in die Schule. Ganz Kenia leide unter den überdurchschnittlichen Regenfällen und ihren Folgen, sagt Lee Kinyanjui: "Wir haben seit Jahren nicht solche Regenfälle gehabt. Im ganzen Land gibt es Überschwemmungen. Das ist beispiellos." Allein in Kenia flohen mehr als 220.000 Menschen vor dem Wasser, mehr als 130 Menschen starben.

Tote und Verletzte nach Unwettern in Ostafrika
tagesschau 12:00 Uhr, 16.05.2018, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

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Furcht vor der Ausbreitung von Krankheiten

Viele Länder in Ostafrika leiden derzeit unter schweren Regenfällen und Überschwemmungen. Neben Uganda, Ruanda und Äthiopien trifft es Somalia besonders hart. Durch das extreme Wetter sind dort laut der UN mehr als 700.000 Menschen auf Unterstützung angewiesen. Hilfsorganisationen befürchten nun den Ausbruch von Krankheiten in der Region. "Das Risiko für ernsthafte Krankheitsausbrüche ist groß", sagt Euloge Ishimwe vom Internationalen Roten Kreuz. "Die Gesundheitsversorgung ist an vielen Orten gestört. Wenn der Regen weniger wird, dann werden die betroffenen Regionen zu Brutgebieten für Mücken. Die Malaria, das Dengue-Fieber und Chikungunya können sich verbreiten."

Die starken Regenfälle treffen Ostafrika nach einer Zeit der Trockenheit und Dürre. Im letzten Jahr waren nach Angaben der Vereinten Nationen in diesem Teil Afrikas mehr als 20 Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht. Ishimwe sagt: "Es ist sehr traurig, dass viele, deren Familienmitglieder jetzt durch die Überflutungen sterben, letztes Jahr bereits Angehörige durch eine Hungersnot verloren haben." Das extreme Wetter in diesem Jahr hat auch viele Ernten zerstört, Tiere verendeten.

Ursache für Dammbruch noch unklar

Die Behörden klären nun, warum der Damm in Solai durch die heftigen Regenfälle brach. "Wir warten auf einen Abschlussbericht zur Standsicherheit des Dammes. Es gibt Anzeichen dafür, dass es möglichweise hier oder dort Kompromisse gegeben hat", sagt Gouverneur Kinyanjui. Der Besitzer des Dammes betont, alle Richtlinien eingehalten zu haben.

eingebrochener Damm | Bildquelle: Caroline Hoffmann, WDR
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Dutzende Menschen werden nach dem Dammbruch vermisst.

Das Haus, in dem Wangari lebte, ist komplett zerstört, sagt sie. Geblieben seien nur ein paar verschmutzte Kleidungsstücke. Sie muss jetzt erst einmal gesund werden, wieder richtig laufen können. Am nächsten Tag wird sie ins Krankenhaus fahren, sie kann nicht richtig hören. An ihre Zukunft kann sie kaum denken. "Meine Schwester ist hier und hilft mir", erzählt sie. "Mein Mann ist unterwegs. Mein Sohn war mein einziges Kind. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Mai 2018 um 12:00 Uhr und tagesschau24 am 10. Mai 2018 um 11:00 Uhr.

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