Tausende erweisen dem getöteten 30-Jährigen in Istanbul die letzte Ehre.

Demonstration gegen türkische Regierung Tausende ehren Todesopfer in Istanbul

Stand: 11.07.2018 12:27 Uhr

In Istanbul sind mehr als zehntausend Menschen zu Ehren des getöteten 30-Jährigen auf die Straße gegangen. "Mörderstaat" und "Ihr seid uns Rechenschaft schuldig", rief die Menge im Stadtteil Okmeydani, wo der Mann am Abend beerdigt wurde. Er war als Unbeteiligter am Donnerstag von einer Kugel getroffen worden. Bei den Protesten hatte es noch ein zweites Todesopfer gegeben. Der Mann erlag nach Angaben des Istanbuler Gouverneurs Hüseyin Avni Mutlu nach der Explosion eines Sprengsatzes in der Nacht seinen schweren Verletzungen.

Von einer verirrten Kugel getroffen?

Der getötete 30-Jährige hatte an einer Trauerfeier in der Nähe der Demonstration teilgenommen und wurde von einer Kugel getroffen, er starb am Donnerstagabend. "Er kam gestern hierher, um jemanden zu beerdigen, und heute wird er selbst beerdigt", riefen viele Trauernde, als sie am Abend durch Istanbul liefen. Ermittlungen zu den Todesumständen des 30-Jährigen sind im Gange.

Dem stellvertretenden Regierungschef Bülent Arinc zufolge ging die Polizei in der Nähe der Trauerfeier am Donnerstag mit Tränengas gegen Demonstranten vor und gab Warnschüsse in die Luft ab. Der Mann sei offenbar von einer verirrten Kugel getroffen worden. Augenzeugen berichteten hingegen, die Polizisten hätten mit scharfer Munition in die Menschenmenge geschossen.

Erdogan: Demonstranten sind Terroristen

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, gegen dessen Regierung sich die Proteste vor allem richten, bezeichnete die Demonstranten in einer Rede als "Terroristen", die "wie in der Ukraine das Land spalten" wollten. Er könne die Geduld der Polizeikräfte nicht verstehen, sagte er.

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Kurz vor dem Jahrestag des Beginns der regierungskritischen Gezi-Proteste mit acht Toten und mehr als 8000 Verletzten und anderthalb Wochen nach dem Grubenunglück in Soma mit mehr als 300 Toten ist die Lage in der Türkei sehr angespannt. Viele Menschen werfen der Regierung von Ministerpräsident Erdogan aufgrund schlechter Sicherheitsstandards eine Mitverantwortung an dem Unglück in Soma vor. Kritik gab es auch an Erdogans Umgang mit der Katastrophe. Bereits in den vergangenen Tagen waren die Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen.

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